Sie haben
ein Projekt?
Angebot anfordern

Architekt Ralf Droste im Interview: Modulares Bauen

Catherine Thiebaut | 29.07.2021
Modulares bauenNachhaltig bauenArchitektur

„Das Schöne am modularen Bauen ist seine Vielfältigkeit“

Modulares Bauen erfreut sich seit Jahren einer steigenden Beliebtheit, insbesondere bei Gewerbeimmobilien, Bildungsbauten sowie Mikro- und Studentenwohnungen. Seit Beginn der Corona-Pandemie nimmt dieser Trend weiter Fahrt auf. Architekt Ralf Droste, Leiter Planung bei Algeco, erläutert im folgenden Interview die Gründe für diesen Boom und beschreibt seine Vision vom modularen Bauen.

ALGECO Architekt Ralf Droste

Weshalb gewinnt das modulare Bauen in jüngster Zeit weiter an Attraktivität? Was macht diese Bauweise so interessant?

Hier treffen zwei aktuelle Trends aufeinander, die dem Modulbau eine ungemeine Dynamik verleihen.

Einerseits zeigt die Corona-Pandemie, wie notwendig flexible, adaptive Gebäude sind. Büros wurden von heute auf morgen nur noch sporadisch genutzt, dafür wuchs der Bedarf an zusätzlichen Arbeitsmöglichkeiten zu Hause. Viele Wohnungen sind aber einfach nicht für Homeoffice ausgelegt. Ich habe das selbst feststellen müssen. Die im modularen Bauen verwendeten Stahlrahmen-Raumzellen haben den Vorteil, dass sie keine tragenden Wände benötigen, dadurch können Besitzer oder Nutzer leicht Grundrissänderungen vornehmen.

Der andere Trend ist die aktuelle Baustoffknappheit. Selbst Sand, der zur Betonherstellung benötigt wird, ist mittlerweile knapp. Die Stahlpreise haben sich zwar jüngst auch erhöht, aber Stahl hat den Vorteil, dass er wiederverwendet werden kann – idealerweise als komplette Raumzelle oder auch durch Wiedereinschmelzen. So etwas kann den CO2-Fußabdruck eines Gebäudes massiv reduzieren. Das ist auch wichtig, damit wir unsere Klimaziele erreichen. Gerade wenn man bedenkt, wie groß der Einfluss des Bauens in dieser Hinsicht ist.

Was fasziniert Sie persönlich am modularen Bauen?

Ich finde es immer wieder spannend zu sehen, wie schnell ein „veredelter Rohbau“ am vorgesehenen Standort in Modulbauweise steht. Häufig beginnt schon am zweiten Tag der Innenausbau. Aber auch der verläuft deutlich schneller, da es in der Regel keine Trocknungszeiten für Innenputz oder Estrich gibt.

Die Planungsphase dauert zwar ähnlich lange wie beim konventionellen Bauen, weil dieselben Genehmigungsprozesse durchlaufen werden müssen, aber die reine Bauzeit vor Ort ist bis zu zwei Drittel schneller. Dieser zeitliche Vorsprung kann beispielsweise auch beim Wiederaufbau von Strukturen in den Hochwasserschadensgebieten sehr hilfreich sein.

Bild: Planungsunterlagen unseres Architekten Ralf Droste.

Angenommen, Sie hätten freie Wahl bei der Planung eines Modulbaus. Wofür würden Sie sich entscheiden?

Das Schöne am modularen Bauen ist seine Vielfältigkeit. Wir haben praktisch alle Gebäudearten auf dem Tisch. Besonders reizvoll finde ich es, wenn bestehende Gebäude anders genutzt werden, Flüchtlingsunterkünfte zum Beispiel zu Studentenwohnungen werden. Im Fachverband Vorgefertigte Raumsysteme hatten wir kürzlich einen Studentenwettbewerb ausgelobt, der die Planung eines Hotels mit anschließender Nachnutzung als Wohngebäude zum Thema hatte. Hier kann der Modulbau seine Vorteile ausspielen.

Wie sieht Ihre Vision vom modularen Bauen in 50 Jahren aus?

Es ist natürlich ambitioniert, 50 Jahre in die Zukunft zu schauen. Aber ich könnte mir vorstellen, dass 2070 das modulare Bauen als Standardbauweise etabliert ist und nur noch Spezialimmobilien wie Hochhäuser als Hybridbauwerke errichtet werden. Der Weg dahin bleibt spannend!

Autor

Catherine
Thiebaut

Artikel teilen

Ähnliche Artikel

  • Modulares bauenNachhaltig bauenArchitektur

    Catherine Thiebaut | 02.07.2021

    Studierendenprojekt: Fahrradstationen aus Containern

    ISCOM-Studentinnen entwickeln Marketing-Konzept rund um Fahrradstationen aus Containern von Algeco. Raummodule sind ideal geeignet, um die sanfte Mobilität in deutschen Städten voranzubringen.

    Artikel lesen
  • Modulares bauenNachhaltig bauenArchitekturKitas & Schulen bauen

    Catherine Thiebaut | 27.11.2020

    10 Tipps für die Planung von Kita & Kindergarten

    Kinder verbringen viel Zeit in Kitas und Kindergärten. Dort möchten sie möglichst viel entdecken und erleben, Beziehungen knüpfen und sich austoben.

    Artikel lesen
  • Modulares bauenNachhaltig bauenArchitektur

    Catherine Thiebaut | 12.11.2020

    Diese Gebäude wurden in Rekordzeit errichtet

    Einmal um die Welt zu eindrucksvollen Gebäuden mit Rekord-Bauzeit. Naturkatastrophen, Kundenbedürfnisse, die Freude am Experimentieren mit neuen Verfahren oder innovativen Materialien...

    Artikel lesen
  • Modulares bauenNachhaltig bauenArchitektur

    Catherine Thiebaut | 02.10.2020

    ALGECO auf der Heinze ArchitektTOUR virtuell

    Informativ, inspirierend, überraschend ─ besuchen Sie ALGECO auf der Heinze ArchitektTour, dem größten digitalen Branchenevent Deutschlands.

    Artikel lesen
  • Modulares bauenNachhaltig bauenArchitekturKitas & Schulen bauen

    Catherine Thiebaut | 04.09.2020

    Interimsschule mit Niveau für Hockenheim

    Algeco hat im Auftrag der Stadt Hockenheim zwei Interimsschulen in Modulbauweise errichtet und nach einer Bauzeit von wenigen Wochen übergeben. Beide Gebäude bieten eine komfortable Lernumgebung mit Niveau und überzeugen in puncto Flexibilität und Nachhaltigkeit.

    Artikel lesen
  • Nachhaltig bauenModulares bauen

    Catherine Thiebaut | 30.08.2021

    Interview mit Dietmar Müller, Geschäftsführer der Algeco GmbH

    Wer als Kind gern mit LEGO gespielt hat, kann sich gut vorstellen, wie Häuser in modularer Bauweise errichtet werden können.

    Artikel lesen

Sie haben ein Projekt oder möchten mehr über unsere Lösungen erfahren?

Unsere Berater stehen Ihnen von Montag bis Freitag, 8:00 – 17:00 Uhr zur Verfügung. Außerhalb dieser Zeiten nutzen Sie bitte unser Onlineformular.

Wir rufen zurück Onlineformular